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Hundeelend

An dem Tag, als mein neues Herrchen mich aus dem Tierheim holte,
war ist glücklich.
Ich sprang um diesen graugekleideten Herren herum, wackelte mit dem Schwanz und war bereit, all seinen Befehlen zu gehorchen und immer treu zu sein.
Ich war noch sehr jung, beinahe noch ein Welpe.
Nun tänzelte ich mit hängender Zunge, hechelnd, neben dem Mann an der Leine zu seinem Auto.
Ich durfte mich neben ihn auf den Beifahrersitz setzen und ich hatte einen guten Ausblick durch die Windschutzscheibe.
Als das Auto anhielt, standen wir vor einem Haus mit mehreren Stöcken.
16 oder so.
Es war wirklich unglaublich hoch.
Der Mann öffnete die Autotür und ich sprang heraus. Gerade wollte ich mich mit der neuen, aufregenden Umgebung bekannt machen und ging los, da wurde ich plötzlich unglaublich hart am Halsband gepackt.
"Du sollst hierbleiben, du Ungetüm!", rief der Mann ärgerlich aus und zerrte mich, ohne Leine, zur Haustür.
Ich hatte schreckliche Angst und klemmte den Schwanz ein.
Gleichzeitig war ich aber auch neugierig und ließ mich geduldig in das riesige Gebäude zerren.
Wir kamen zu einer Eiserenen Tür.
Das Ding ratterte und ich ließ einen Jauler los.
"Du sollst still sein, du Monster!!!", fuhr mich der Mann an und die Tür ging auf.
Vor Angst zitternd stemmte ich alle 4 Pfoten in den Boden, doch gegen diesen Typen hatte ich keine Chance.
Er ließ mich das knatternde Ding noch nicht mal beschnüffeln.
So musste ich mit hinein und während ich mich mit Angst verzerrtem Gesicht in eine Ecke drückte und den Schwanz einklemmte, schoss das Ding in einer, so kam es mir vor, wahnsinns Geschwindigkeit nach oben.
 
Plötzlich machte es "Bing!" und die Türen gingen auf.
Vor mir erstreckte sich ein langer Flur mit mindestens 6-10 Türen, jede mit einer Nummer versehen.
Eine Tür öffnete sich und eine dicke Frau mit Lockenwicklern trat heraus:"Hermann, was schleppst du denn für eine Töle an? Das ist ja grässlich!" Hermann brummte etwas und dann führte er mich in die Wohnung.
Da erklang ein anderes "Bing". Ich schrak zurück.
Langsam drückte ich mich in eine Ecke.
Die Frau lachte ironisch, spuckte in den Mülleimer und grummelte: "Komm mit!"
Ich wusste nicht, ob sie mich oder diesen Mann namens Hermann meinte.
In einem barschen Ton widerholte sie: "Komm mit!"
Langsam setzte ich mich in Bewegung.
Etwas quitschte und schepperte.
Vor Angst sprang ich fast mit alles Vieren in die Luft, um gleich darauf in einer Ecke der Küche ein Bächlein zu setzten.
Ich tat es nicht mit Absicht, trotzdem wurde ich bestraft.
 
In den nächsten Monaten begann ein hartes Training mit mir.
Die Frau und der Mann, Eva und Hermann, behandelten mich jetzt mit viel Liebe und erzogen mich zu einem guten, stolzen Hund, der stehts die Zeitung oder die Fernbedienung brachte oder gerade das, was benötigt wurde.
Wenn es mal nicht so klappte und sie mir böse waren, schaute ich sie mit meinen großen, freundlichen Hundeaugen an. Dann konnten sie mir nicht mehr böse sein.
Im Sommer, wann weiß ich nicht, setzten sie mich ins Auto, zusammen mit einer Menge Gepäck und wir fuhren auf eine lange Straße, wo die Autos so schnell wie unseres dahinrauschten.
Urlaub!, dachte ich.
An den Straßenrändern sah ich hin und wieder einige Hunde, die an Bäumen oder Straßenschildern, Pfählen oder Lampen angebunden waren und mir traurig engegeblickten.
Ich begriff es da noch nicht, warum sie da so alleine hockten.
Das sollte ich aber bald erfahren...
 
Nach 2 Stunden fuhren wir auf einen Rastplatz.
Sie gingen mit mir eine kleine Strecke umher und ich sprang schwanzwedelnd um sie herum und bellte.
Da hielt Hermann an, bückte sich, klinkte die Leine aus und gab mir einen Klapps auf den Po. Ehe er ging, nahm er mir noch das Halsband ab.
Ich kapierte nicht, was das alles sollte.
Dann stiegen sie ins Auto, ließen den Motor an und fuhren auf die Straße.
Ich stand da, mit hängender Rute und verzweifeltem und fraglichem Blick.
Ich schaute ihnen nach, bis das Auto verschwunden war.
Sie würden sicher bald wiederkommen.
Aber sie kamen nicht zurück...
 
Jetzt war ich schon Tage unterwegs, hatte hunger, war durstig und hatte wunde,  blutende Pfoten.
Mir tat alles weh und ich verstand nicht, wie sie mir so etwas antuen konnten.
Doch ich gab die Hoffnung nicht auf und suchte sie.
Aber es war kein Wunder, dass ich sie nicht fand, denn sie waren längst in Spanien. Woher sollte ich das wissen?
Ziellos wanderte ich umher, rannte über Kuhwiesen, durch Wälder, traf Pferde und Katzen, doch war zu müde um ihnen hinterher zu rennen, schließlich traf ich auf ein Dorf.
Mit letzter Kraft schleppte ich mich vor ein altes Fachwerkhaus, und brach vor der Tür zusammen.
 
Als ich aufwachte, lag ich auf einem Sofa, war frisch gebadet, roch gut und meine Pfoten waren mit Binden umwickelt.
War ich wieder zu Hause, bei meinen Leuten, bei Eva und Hermann?
Nein, ich war bei netten Leuten, woanders...
 
Die nächsten Jahre hatte ich ein schönes Leben, war glücklich und hatte alles, was ich brauchte.
Doch meine alten Herren werde ich trotzdem nie vergessen, trotz alles, was sie mir angetan hatten, liebte ich sie noch...

Annabel Illian

 
4.7.09 11:01
 


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