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Hundeliebe

Wie immer stromerte ich am frühen Vormittag über den Hof, nahm ein kurzes Bad im Fischteich, schnüffelte hier an einem Stein und dort an der Terrassentür eines der vielen Ferienhäuser, die auf dem Forstgut stehen, auf dem ich lebe. Es war eigentlich alles wie immer und doch auch wieder total anders. Trotz der Langeweile, die mich beherrschte, war ich unruhig und wusste eigentlich nicht so recht, warum, obwohl ich diese Unruhe ja schon häufig in meinem sechsjährigen Hundeleben verspürt hatte. Immer wieder huschten diese seltsamen Wellen der Vorfreude über meinen Körper, gerade so, als ob heute irgendetwas in mein Leben treten würde, was mein Dasein von Grund auf verändern würde.

Als eine klappende Autotür durch die Stille dieses Vormittags hallte, unterbrach ich meinen Rundgang und lauschte regungslos und mit gespitzten Ohren in die Richtung, aus der nun Stimmen zu hören waren. Ich schlich mich um das Haus herum und beobachtete die Familie, die gerade im Begriff war, ihr Gepäck aus dem Auto zu laden. Das war an sich nichts Neues, weil auf unserem Gut in der Sommerzeit immer viel los war und ich wollte mich schon trollen, da wurde die hintere Tür des Autos geöffnet und mir stieg ein überaus interessanter Geruch in die Nase. Ich vergaß das Atmen, als ich sah, welch ein Prachtkerl da steifbeinig aus dem Auto stieg.

In diesem Augenblick wusste ich, dass die Langeweile von nun an ein Ende haben würde! Mit blitzenden Augen und leicht schief gelegtem Kopf beobachtete ich ihn, als er die unmittelbare Gegend inspizierte, da und dort sein Bein hob und sich verewigte. Ich ließ meinen Blick über seinen schönen muskelbepackten Körper gleiten, sah sein glänzendes Fell und zuckte zusammen, als er plötzlich herumfuhr und mir dann regungslos auf drei Beinen direkt in die Augen sah. Was für wundervolle bernsteinfarbene Augen dieser Typ hatte! Und wie herrlich er vorstand!

Ein Pfiff seines Herrchens unterbrach ganz plötzlich die Magie des Augenblicks und er verschwand umgehend im Haus. Ich setzte mich hin und schmollte. Ein einfaches Spiel würde ich mit dem wohl nicht haben, aber ich würde ihn kriegen! Koste es, was es wolle!


Sonntag, 19.08.2007

Während mein Frauchen ganz gemütlich am Frühstückstisch saß und ihre Zeitung las, machte ich mich gleich daran, meine Hundezeitung lesen zu gehen. Während Frauchen ja ihre Zeitung immer komplett las, legte ich auf meiner Runde nur Wert auf den Anzeigenteil… und der besagte, dass sich auf meinem Hof ein toller Typ befand, dem ich dringend hinterher schnüffeln musste! Es dauerte einige Zeit, denn der hatte sich tatsächlich an jedem Strauch, jedem Baum und jedem Stein verewigt. Boah… was für ein Kerl!!!

Leider habe ich ihn heute nicht gesehen, aber ich war ein bisschen schwimmen. Diese Hitze, die meinen Körper beherrschte, wurde langsam unerträglich.


Montag, 20.08.2007

Heute habe ich mich erst einmal seinem Herrchen und Frauchen vorgestellt. Und obwohl die mich total süß und hübsch finden und äußerst wohlerzogen, waren sie noch ein bisschen zurückhaltend und wollten IHN nicht so recht mit mir spielen lassen. Vielleicht lag das ja daran, dass mein Frauchen bei der Anreise erwähnt hatte, dass ich so ein bisschen läufig bin? Allerdings hatte sie aber nichts dagegen, dass ich ein bisschen mit ihm herumtobe. Unter Aufsicht, versteht sich.

Also stand ich heute Morgen dann auch freundlich wedelnd vor der leider geschlossenen Terrassentür und sah der Familie beim frühstücken und IHM beim dösen zu. Es war ein Unding, dass er mich nicht bemerkte und so fiepte ich ein bisschen vor mich hin und trat unruhig von einer Pfote auf die andere…

Na also, ging doch! Er hatte mich gehört, öffnete seine Augen und dann kam endlich Leben in den Kerl. Ich wedelte von draußen, er von drinnen und seine Familie amüsierte sich. ICH wollte mich aber auch amüsieren und so bellte ich ein paar Mal und blinzelte ganz lieb in Richtung Herrchen. Nun macht doch endlich diese blöde Tür auf! Seht ihr nicht, dass wir spielen wollen? Aber entweder war der so schwer von Begriff oder er wollte mich nicht verstehen. Die Tür blieb zu. Na gut… Plan B hieß Belagerung. Ich legte mich hin und ließ mir von der Morgensonne das Fell wärmen.

Ich musste wohl eingedöst sein, denn als ich hörte, dass das Auto angelassen wurde und ich um das Haus herum sprintete, konnte ich ihm nur noch traurig hinterher sehen. Na die werden schon irgendwann wieder kommen und dann würde ich zur rechten Zeit zur Stelle sein!

Und so war es schließlich auch. Ich hockte gegen Abend bestimmt schon eine halbe Stunde vor SEINER Tür, als ich das Auto auf den Hof rollen hörte. Und – oh Wunder – ER durfte aussteigen, obwohl ich aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd vor der Autotür stand und endlich konnten wir uns bekannt machen. Mit fiepen und schnüffeln und küssen und so. Mein Gott! Ich konnte gar nicht genug davon haben und wusste fast gar nicht, ob ich ihm zuerst mein Mäulchen oder meine Kehrseite hinhalten sollte. Ich glaube, die Mischung aus beidem hat’s echt gebracht. Leider hat er sich dann wieder durch einen Pfiff seines Herrchens von mir ablenken lassen und verschwand im Haus. Warum bloß musste ich mir so einen Musterknaben aussuchen???


Dienstag, 21.08.2007

Heute erfuhr ich, dass der Vater meiner zukünftigen Kinder „Arco“ heißt… Sein Herrchen war nämlich nicht da, als ich ihn heute morgen zum Spielen abholen wollte. Die Terrassentür stand einladend offen und als er mich sah, kam er direkt heraus geschossen und wir spielten eine Runde auf der Wiese hinterm Haus. Wahrscheinlich waren wir dabei etwas zu laut, so dass sein Frauchen auf uns aufmerksam wurde. Sie kam fast so schnell heraus gerannt wie er, nur dass sie leichenblass im Gesicht war und total außer sich seinen Namen brüllte. Und dann noch was, das wie „Die Alimente-Zahlung für dich würde glatt unser Urlaubs-Budget sprengen!“ klang.

Warum musste mein Auserwählter nur so wohlerzogen sein? Ich wollte doch bloß mit ihm spielen! Nähere körperliche Inspektionen ließ ich doch gar nicht zu! Vielleicht verließ er mich ja auch aus diesem Grund und mit hängenden Ohren schlich er ins Haus zurück…


Mittwoch, 22.08.2007

Oh was war das Leben doch schön! Am späten Nachmittag saß ich im Kreise dieser Familie, genoss die Streicheleinheiten von Arcos Frauchen und deren Enkelin und hörte seinem Herrn zu, wie er versuchte, vor seiner Familie und sich selbst zu rechtfertigen, was passieren könnte, wenn er uns erlauben würde, weiter und länger miteinander zu spielen. Du meine Güte, er dramatisierte die Sache ja schon ganz schön, redete vom Ärger mit meinem Frauchen, wenn ich so völlig ungeplant Babys bekommen würde. Ich spitzte die Ohren, als die Enkelin meinte, dass mein Frauchen wohl sicher nichts gegen ein paar süße Welpen hätte, denn sonst würde sie die Paula ja sicher nicht dauernd zu Arco lassen. Recht hatte sie! Dankbar kuschelte ich mich an die Knie des Mädchens und schleckte über ihre Hand.

Außerdem würden unsere Babys, wie ich dem weiteren Gespräch entnahm, absolut reinrassig sein und auch wenn ich keine Papiere habe, würden meine Babys ganz gewiss diverse Abnehmer finden und meinem Frauchen eine schöne Stange Geld bescheren. All das war mir eigentlich völlig egal. ICH wollte diesen Rüden und ICH wollte Nachwuchs!

Dank der Überzeugungskünste des Mädchens wurde Arco schließlich von der Leine gelassen und wir konnten ausgelassen über die Wiese tollen.


Donnerstag, 23.08.2007

Arco hat angebissen, denn heute holte er mich sogar schon von zu Hause ab! Ich bin mit ihm gegangen. Hab zwar aus den Augenwinkeln mein Frauchen beobachtet, aber sie sagte nichts und ließ mich ziehen. Auf unserer abendlichen Spielrunde dann entwickelte er ungeahnten Spieltrieb, schleckte dauernd mein Schnäuzchen ab und schnüffelte an… na ihr wisst schon, wo.

Dieses Mal wollte ER gar nicht von mir ablassen und ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass ich ihn anbellte, was zugegebener Maßen fast wie ein Quieken klang. Er kniff mich in die Flanke, wenn ich mich hinsetzte oder hinlegte, befand sich über mir und rollte mich über den Boden. Es war lustig. Doch viel zu schnell war die Zeit um und Arco wurde zu seinem Herrchen gepfiffen. Dieses Mal fiel es ihm aber sehr viel schwerer, seinem Herrchen zu gehorchen. Ich wollte ihn dazu bringen, noch ein bisschen länger bei mir zu verbleiben, denn die Hitze in meinem Körper war wirklich kaum mehr auszuhalten. Auch, als er wieder an der Leine neben dem Stuhl seines Herrchens lag und sich die Seele aus dem Leib hechelte, konnte ich nicht von ihm ablassen, stupste ihn an, fiepte und sendete ihm flehende Blicke. Als das alles nichts nutzte, legte ich mich neben ihn, zauste ein wenig seine Ohren und döste eng an ihn geschmiegt ein.


Freitag, 24.08.2007

Schon als ich heute Morgen die Augen aufschlug, wusste ich, dass mein Tag gekommen war und dieser besondere Blick, mit dem mich Arco beschnupperte als wir uns abends wieder sahen, bestärkte mich noch in der Vermutung.

Ich gab alles… schleckte ihn ab, neckte ihn, ließ mich von ihm jagen und schaffte es schließlich, ihn immer weiter aus dem Sichtfeld seiner Familie zu locken. Seite an Seite und im Takt mit den Schwänzen wedelnd schlugen wir uns in die Büsche. Da half kein Pfeifen, kein Rufen, kein Flehen… Arco war taub und ich auch.


Samstag, 25.08.2007

Arco war völlig verstört, weil ich zwar noch einmal ganz ausgelassen mit ihm herum tollte, ihn aber nicht mehr auf mich springen ließ… Sein Herrchen grinste und schwieg, weil er jetzt wohl ganz sicher wusste, dass ihm in ein paar Monaten die Geburtsanzeige von meinen super süßen Münsterländer-Babys ins Haus flattern wird.

Was wohl mein Frauchen dazu sagen wird? Bestenfalls war diese ganze Aktion von ihr gewünscht und geplant…
 
Dagmar H.
4.7.09 10:58
 


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