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Der Hund bellt nicht mehr

Langsam strich die junge Frau an jenen unzähligen gittergezeichneten Gängen vorüber. In jede, der dahinter liegenden Zellen wartete ein Tier auf seine Befreiung, in dem Fall waren es Hunde. Auch wenn Clarissa wusste, dass sie gut umsorgt wurden und behütet waren, ließ sie jedoch die bedrückende Atmosphäre des Ortes nicht los.

Betrübt blieb sie stehen, beachtete den großen Mischlingsrüden vor ihr im Käfig nur am Rande.

Freundlich wedelte das braune Tier mit dem Schwanz.

" Haben sie sich entschieden?", eine Tierpflegerin trat zu ihr, die rundliche Frau mittleren Alters starrte sie etwas gereizt an. Unsicher stieß Clarissa sanft mit dem Fuß gegen das Gitter.

" Nein...ich kann das nicht", bekümmert blickte sie die Dame an, "es tut mir leid"

Mit diesen Worten verabschiedete sie sich, rasch eilte sie den Gang hinaus zu ihrem kleinen Wagen.

Kurz darauf folgte sie dem Verkehr zurück nach Haus.

Ausgelaugt, müde ließ sich die Frau einige Minuten später auf ihre Couch fallen

Seufzend nahm sie eine Zeitschrift zur Hand.

Plötzlich ertönten kleine, tapsige Schritte. Kurz darauf erschien ein mittelgroßer, alter Hund an Clarissas Seite.

" Ach meine Liebe, hmm", sanft streichelte sie das gelbbraune Tier, " warum soll ich dir einen Kameraden kaufen, wenn du deine letzten Tage ohnehin allein verbringen möchtest"

Liebkosend strich sie über das Fell, Erinnerungen an den Hund, welcher sie seit nun mehr sechzehn Jahren an ihrer Seite befand, überkamen sie.

In jungen Jahren liebte die Hündin das Ballspiel ebenso wie den Bewegungsdrang, doch in letzter Zeit war es ruhig geworden. Die Beine schmerzten, Augen wie Ohren versagten immer mehr den Dienst. Clarissa wusste um die sinkende Lebensqualität ihres Schützlings.

Grübelnd sank sie in einen seichten Schlaf.

Die junge Frau schreckte hoch, etwas hatte sie geweckt. Verwirrt rappelte sich die Hundebesitzerin auf. Dann ertönte ein Surren, der Türsummer, wie sie feststellte.

" Hallo, hast du mich gar nicht gehört?", begrüßte sie ihr Bruder.

Kopfschüttelnd verneinte sie die Frage.

" Wozu hast du einen Hund?!", meinte er beim Eintreten.

" Ach komm sie ist alt und schwerhörig", verteidigte Clarissa das geliebte Haustier.

" Schwesterchen...warst du nicht im Tierheim?", er blickte sie an, " du wolltest dir die Hunde ansehen."

" Ich war dort", unsicher mied sie den Augenkontakt zu ihm, " aber ich konnte es nicht."

Tapsige Schritte verrieten die neugierige Hündin, welche pflichtbewusst nach dem Rechten sah.

Lahmend jedoch schwanzweddelnd begrüßte die den alten Freund.

Bekümmert betrachtete Clarissa die Situation, wie lang mochte sich dieses geliebte Tier noch der Anwesenheit ihrer geliebten Menschen erfreuen, ehe es endgültig Abschied vom Leben nahm?

Nadine Wittorf

 

4.7.09 10:40
 


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