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Hundeelend

An dem Tag, als mein neues Herrchen mich aus dem Tierheim holte,
war ist glücklich.
Ich sprang um diesen graugekleideten Herren herum, wackelte mit dem Schwanz und war bereit, all seinen Befehlen zu gehorchen und immer treu zu sein.
Ich war noch sehr jung, beinahe noch ein Welpe.
Nun tänzelte ich mit hängender Zunge, hechelnd, neben dem Mann an der Leine zu seinem Auto.
Ich durfte mich neben ihn auf den Beifahrersitz setzen und ich hatte einen guten Ausblick durch die Windschutzscheibe.
Als das Auto anhielt, standen wir vor einem Haus mit mehreren Stöcken.
16 oder so.
Es war wirklich unglaublich hoch.
Der Mann öffnete die Autotür und ich sprang heraus. Gerade wollte ich mich mit der neuen, aufregenden Umgebung bekannt machen und ging los, da wurde ich plötzlich unglaublich hart am Halsband gepackt.
"Du sollst hierbleiben, du Ungetüm!", rief der Mann ärgerlich aus und zerrte mich, ohne Leine, zur Haustür.
Ich hatte schreckliche Angst und klemmte den Schwanz ein.
Gleichzeitig war ich aber auch neugierig und ließ mich geduldig in das riesige Gebäude zerren.
Wir kamen zu einer Eiserenen Tür.
Das Ding ratterte und ich ließ einen Jauler los.
"Du sollst still sein, du Monster!!!", fuhr mich der Mann an und die Tür ging auf.
Vor Angst zitternd stemmte ich alle 4 Pfoten in den Boden, doch gegen diesen Typen hatte ich keine Chance.
Er ließ mich das knatternde Ding noch nicht mal beschnüffeln.
So musste ich mit hinein und während ich mich mit Angst verzerrtem Gesicht in eine Ecke drückte und den Schwanz einklemmte, schoss das Ding in einer, so kam es mir vor, wahnsinns Geschwindigkeit nach oben.
 
Plötzlich machte es "Bing!" und die Türen gingen auf.
Vor mir erstreckte sich ein langer Flur mit mindestens 6-10 Türen, jede mit einer Nummer versehen.
Eine Tür öffnete sich und eine dicke Frau mit Lockenwicklern trat heraus:"Hermann, was schleppst du denn für eine Töle an? Das ist ja grässlich!" Hermann brummte etwas und dann führte er mich in die Wohnung.
Da erklang ein anderes "Bing". Ich schrak zurück.
Langsam drückte ich mich in eine Ecke.
Die Frau lachte ironisch, spuckte in den Mülleimer und grummelte: "Komm mit!"
Ich wusste nicht, ob sie mich oder diesen Mann namens Hermann meinte.
In einem barschen Ton widerholte sie: "Komm mit!"
Langsam setzte ich mich in Bewegung.
Etwas quitschte und schepperte.
Vor Angst sprang ich fast mit alles Vieren in die Luft, um gleich darauf in einer Ecke der Küche ein Bächlein zu setzten.
Ich tat es nicht mit Absicht, trotzdem wurde ich bestraft.
 
In den nächsten Monaten begann ein hartes Training mit mir.
Die Frau und der Mann, Eva und Hermann, behandelten mich jetzt mit viel Liebe und erzogen mich zu einem guten, stolzen Hund, der stehts die Zeitung oder die Fernbedienung brachte oder gerade das, was benötigt wurde.
Wenn es mal nicht so klappte und sie mir böse waren, schaute ich sie mit meinen großen, freundlichen Hundeaugen an. Dann konnten sie mir nicht mehr böse sein.
Im Sommer, wann weiß ich nicht, setzten sie mich ins Auto, zusammen mit einer Menge Gepäck und wir fuhren auf eine lange Straße, wo die Autos so schnell wie unseres dahinrauschten.
Urlaub!, dachte ich.
An den Straßenrändern sah ich hin und wieder einige Hunde, die an Bäumen oder Straßenschildern, Pfählen oder Lampen angebunden waren und mir traurig engegeblickten.
Ich begriff es da noch nicht, warum sie da so alleine hockten.
Das sollte ich aber bald erfahren...
 
Nach 2 Stunden fuhren wir auf einen Rastplatz.
Sie gingen mit mir eine kleine Strecke umher und ich sprang schwanzwedelnd um sie herum und bellte.
Da hielt Hermann an, bückte sich, klinkte die Leine aus und gab mir einen Klapps auf den Po. Ehe er ging, nahm er mir noch das Halsband ab.
Ich kapierte nicht, was das alles sollte.
Dann stiegen sie ins Auto, ließen den Motor an und fuhren auf die Straße.
Ich stand da, mit hängender Rute und verzweifeltem und fraglichem Blick.
Ich schaute ihnen nach, bis das Auto verschwunden war.
Sie würden sicher bald wiederkommen.
Aber sie kamen nicht zurück...
 
Jetzt war ich schon Tage unterwegs, hatte hunger, war durstig und hatte wunde,  blutende Pfoten.
Mir tat alles weh und ich verstand nicht, wie sie mir so etwas antuen konnten.
Doch ich gab die Hoffnung nicht auf und suchte sie.
Aber es war kein Wunder, dass ich sie nicht fand, denn sie waren längst in Spanien. Woher sollte ich das wissen?
Ziellos wanderte ich umher, rannte über Kuhwiesen, durch Wälder, traf Pferde und Katzen, doch war zu müde um ihnen hinterher zu rennen, schließlich traf ich auf ein Dorf.
Mit letzter Kraft schleppte ich mich vor ein altes Fachwerkhaus, und brach vor der Tür zusammen.
 
Als ich aufwachte, lag ich auf einem Sofa, war frisch gebadet, roch gut und meine Pfoten waren mit Binden umwickelt.
War ich wieder zu Hause, bei meinen Leuten, bei Eva und Hermann?
Nein, ich war bei netten Leuten, woanders...
 
Die nächsten Jahre hatte ich ein schönes Leben, war glücklich und hatte alles, was ich brauchte.
Doch meine alten Herren werde ich trotzdem nie vergessen, trotz alles, was sie mir angetan hatten, liebte ich sie noch...

Annabel Illian

 
4.7.09 11:01


Hundeleben

Hola, mein Name ist Teddy, Teddy von Lanzarote und ich bin ein waschechter Spanier… um nicht zu sagen Macho.
Mein Frauchen (oder sollte ich besser Mama sagen?) hat mich geschenkt bekommen, da war ich gerade einen Tag alt, meine Augen waren geschlossen und ich war gerade mal so groß wie eine Maus!
Ihr könnt euch vorstellen, dass ich ziemlich überrascht war ,als ich nach 4 Wochen das erste mal meine Augen geöffnet habe, keine Hundemutter anzuschauen sondern einen richtigen und ziemlich großen Menschen.
Mir war das aber ziemlich egal - Hauptsache ich bekam regelmäßig meine Milch.
3 Jahre habe ich auf Lanzarote gelebt und dann wurde ich entführt - von meinem eigenen Frauchen - stellt euch das mal vor!
Wir zogen nach Hamburg. Da kam mein Frauchen ursprünglich her.
Kein Strand, kein Meer… ich war schon ein wenig traurig darüber.
Aber dafür gab es jede Menge Wiesen und… Bäume!
Das Beinchenheben brachte endlich einmal Spaß…(auf Lanzarote mußte ich vorwiegend mit Autoreifen vorlieb nehmen) und es roch auch überall so gut!
Hier blieben wir aber gerade mal 3 Jahre. Soeben hatte ich mich an Deutschland gewöhnt, ging es nach Italien. Das war so gar nicht nach meiner Mütze - zumal Frauchen auch noch einen herrenlosen Streuner bei sich aufnahm, den ich so gar nicht riechen konnte!
Ich habe es aber geschafft ihn wieder los zu werden.
Noch heute kann ich es nicht begreifen, dass Frauchen geheult hat wie ein Wasserfall, denn dieser Hund war richtig doof. Ständig hat er sich vorgedrängelt und um Frauchens Gunst gebuhlt.
Sagt mal ehrlich: IHR hättet euch das doch sicher auch nicht gefallen lassen - oder?
In Italien blieben wir auch nur 1 Jahr - ein Glück, denn dort hat es mir ja überhaupt nicht gefallen.
Wir siedelten nach Österreich um.
Ich bekam sogar fast so was wie ein zweites Frauchen dazu. Die Freundin von meinem Frauchen war so klasse! Ganz oft hat sie mit mir geschmust und ich durfte abends mit ihr gemeinsam auf der Couch sitzen. Ich glaube, ich habe mich sogar ein bisschen verliebt in sie.
Der Schnee im Winter war allerdings nicht so prickelnd. Ständig hatte ich beim Gassigehen Klumpen an den Beinen und manchmal war ich im Schnee ganz verschwunden.
Aber hier blieben wir nicht einmal ein Jahr.
Seit ein paar Tagen sind wir wieder in meiner Heimat!
Manchmal ist es mir hier zwar ein wenig zu heiß aber ich habe meinen geliebten Strand und das Meer wieder.
Denn hier kann man doch immer noch am besten hinter einem Ball herlaufen!
Hauptsache, hier kommt nicht auch wieder so ein dahergelaufener Köter an, den Frauchen nicht wieder wegschickt.
Drückt mir mal alle eure Pfötchen…äh…Daumen, dass das nicht passiert!
Denn dann habe ich für den Rest meines Hundelebens das Paradies auf Erden…
 
© Regine Stahl
4.7.09 10:59


Hundeliebe

Wie immer stromerte ich am frühen Vormittag über den Hof, nahm ein kurzes Bad im Fischteich, schnüffelte hier an einem Stein und dort an der Terrassentür eines der vielen Ferienhäuser, die auf dem Forstgut stehen, auf dem ich lebe. Es war eigentlich alles wie immer und doch auch wieder total anders. Trotz der Langeweile, die mich beherrschte, war ich unruhig und wusste eigentlich nicht so recht, warum, obwohl ich diese Unruhe ja schon häufig in meinem sechsjährigen Hundeleben verspürt hatte. Immer wieder huschten diese seltsamen Wellen der Vorfreude über meinen Körper, gerade so, als ob heute irgendetwas in mein Leben treten würde, was mein Dasein von Grund auf verändern würde.

Als eine klappende Autotür durch die Stille dieses Vormittags hallte, unterbrach ich meinen Rundgang und lauschte regungslos und mit gespitzten Ohren in die Richtung, aus der nun Stimmen zu hören waren. Ich schlich mich um das Haus herum und beobachtete die Familie, die gerade im Begriff war, ihr Gepäck aus dem Auto zu laden. Das war an sich nichts Neues, weil auf unserem Gut in der Sommerzeit immer viel los war und ich wollte mich schon trollen, da wurde die hintere Tür des Autos geöffnet und mir stieg ein überaus interessanter Geruch in die Nase. Ich vergaß das Atmen, als ich sah, welch ein Prachtkerl da steifbeinig aus dem Auto stieg.

In diesem Augenblick wusste ich, dass die Langeweile von nun an ein Ende haben würde! Mit blitzenden Augen und leicht schief gelegtem Kopf beobachtete ich ihn, als er die unmittelbare Gegend inspizierte, da und dort sein Bein hob und sich verewigte. Ich ließ meinen Blick über seinen schönen muskelbepackten Körper gleiten, sah sein glänzendes Fell und zuckte zusammen, als er plötzlich herumfuhr und mir dann regungslos auf drei Beinen direkt in die Augen sah. Was für wundervolle bernsteinfarbene Augen dieser Typ hatte! Und wie herrlich er vorstand!

Ein Pfiff seines Herrchens unterbrach ganz plötzlich die Magie des Augenblicks und er verschwand umgehend im Haus. Ich setzte mich hin und schmollte. Ein einfaches Spiel würde ich mit dem wohl nicht haben, aber ich würde ihn kriegen! Koste es, was es wolle!


Sonntag, 19.08.2007

Während mein Frauchen ganz gemütlich am Frühstückstisch saß und ihre Zeitung las, machte ich mich gleich daran, meine Hundezeitung lesen zu gehen. Während Frauchen ja ihre Zeitung immer komplett las, legte ich auf meiner Runde nur Wert auf den Anzeigenteil… und der besagte, dass sich auf meinem Hof ein toller Typ befand, dem ich dringend hinterher schnüffeln musste! Es dauerte einige Zeit, denn der hatte sich tatsächlich an jedem Strauch, jedem Baum und jedem Stein verewigt. Boah… was für ein Kerl!!!

Leider habe ich ihn heute nicht gesehen, aber ich war ein bisschen schwimmen. Diese Hitze, die meinen Körper beherrschte, wurde langsam unerträglich.


Montag, 20.08.2007

Heute habe ich mich erst einmal seinem Herrchen und Frauchen vorgestellt. Und obwohl die mich total süß und hübsch finden und äußerst wohlerzogen, waren sie noch ein bisschen zurückhaltend und wollten IHN nicht so recht mit mir spielen lassen. Vielleicht lag das ja daran, dass mein Frauchen bei der Anreise erwähnt hatte, dass ich so ein bisschen läufig bin? Allerdings hatte sie aber nichts dagegen, dass ich ein bisschen mit ihm herumtobe. Unter Aufsicht, versteht sich.

Also stand ich heute Morgen dann auch freundlich wedelnd vor der leider geschlossenen Terrassentür und sah der Familie beim frühstücken und IHM beim dösen zu. Es war ein Unding, dass er mich nicht bemerkte und so fiepte ich ein bisschen vor mich hin und trat unruhig von einer Pfote auf die andere…

Na also, ging doch! Er hatte mich gehört, öffnete seine Augen und dann kam endlich Leben in den Kerl. Ich wedelte von draußen, er von drinnen und seine Familie amüsierte sich. ICH wollte mich aber auch amüsieren und so bellte ich ein paar Mal und blinzelte ganz lieb in Richtung Herrchen. Nun macht doch endlich diese blöde Tür auf! Seht ihr nicht, dass wir spielen wollen? Aber entweder war der so schwer von Begriff oder er wollte mich nicht verstehen. Die Tür blieb zu. Na gut… Plan B hieß Belagerung. Ich legte mich hin und ließ mir von der Morgensonne das Fell wärmen.

Ich musste wohl eingedöst sein, denn als ich hörte, dass das Auto angelassen wurde und ich um das Haus herum sprintete, konnte ich ihm nur noch traurig hinterher sehen. Na die werden schon irgendwann wieder kommen und dann würde ich zur rechten Zeit zur Stelle sein!

Und so war es schließlich auch. Ich hockte gegen Abend bestimmt schon eine halbe Stunde vor SEINER Tür, als ich das Auto auf den Hof rollen hörte. Und – oh Wunder – ER durfte aussteigen, obwohl ich aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd vor der Autotür stand und endlich konnten wir uns bekannt machen. Mit fiepen und schnüffeln und küssen und so. Mein Gott! Ich konnte gar nicht genug davon haben und wusste fast gar nicht, ob ich ihm zuerst mein Mäulchen oder meine Kehrseite hinhalten sollte. Ich glaube, die Mischung aus beidem hat’s echt gebracht. Leider hat er sich dann wieder durch einen Pfiff seines Herrchens von mir ablenken lassen und verschwand im Haus. Warum bloß musste ich mir so einen Musterknaben aussuchen???


Dienstag, 21.08.2007

Heute erfuhr ich, dass der Vater meiner zukünftigen Kinder „Arco“ heißt… Sein Herrchen war nämlich nicht da, als ich ihn heute morgen zum Spielen abholen wollte. Die Terrassentür stand einladend offen und als er mich sah, kam er direkt heraus geschossen und wir spielten eine Runde auf der Wiese hinterm Haus. Wahrscheinlich waren wir dabei etwas zu laut, so dass sein Frauchen auf uns aufmerksam wurde. Sie kam fast so schnell heraus gerannt wie er, nur dass sie leichenblass im Gesicht war und total außer sich seinen Namen brüllte. Und dann noch was, das wie „Die Alimente-Zahlung für dich würde glatt unser Urlaubs-Budget sprengen!“ klang.

Warum musste mein Auserwählter nur so wohlerzogen sein? Ich wollte doch bloß mit ihm spielen! Nähere körperliche Inspektionen ließ ich doch gar nicht zu! Vielleicht verließ er mich ja auch aus diesem Grund und mit hängenden Ohren schlich er ins Haus zurück…


Mittwoch, 22.08.2007

Oh was war das Leben doch schön! Am späten Nachmittag saß ich im Kreise dieser Familie, genoss die Streicheleinheiten von Arcos Frauchen und deren Enkelin und hörte seinem Herrn zu, wie er versuchte, vor seiner Familie und sich selbst zu rechtfertigen, was passieren könnte, wenn er uns erlauben würde, weiter und länger miteinander zu spielen. Du meine Güte, er dramatisierte die Sache ja schon ganz schön, redete vom Ärger mit meinem Frauchen, wenn ich so völlig ungeplant Babys bekommen würde. Ich spitzte die Ohren, als die Enkelin meinte, dass mein Frauchen wohl sicher nichts gegen ein paar süße Welpen hätte, denn sonst würde sie die Paula ja sicher nicht dauernd zu Arco lassen. Recht hatte sie! Dankbar kuschelte ich mich an die Knie des Mädchens und schleckte über ihre Hand.

Außerdem würden unsere Babys, wie ich dem weiteren Gespräch entnahm, absolut reinrassig sein und auch wenn ich keine Papiere habe, würden meine Babys ganz gewiss diverse Abnehmer finden und meinem Frauchen eine schöne Stange Geld bescheren. All das war mir eigentlich völlig egal. ICH wollte diesen Rüden und ICH wollte Nachwuchs!

Dank der Überzeugungskünste des Mädchens wurde Arco schließlich von der Leine gelassen und wir konnten ausgelassen über die Wiese tollen.


Donnerstag, 23.08.2007

Arco hat angebissen, denn heute holte er mich sogar schon von zu Hause ab! Ich bin mit ihm gegangen. Hab zwar aus den Augenwinkeln mein Frauchen beobachtet, aber sie sagte nichts und ließ mich ziehen. Auf unserer abendlichen Spielrunde dann entwickelte er ungeahnten Spieltrieb, schleckte dauernd mein Schnäuzchen ab und schnüffelte an… na ihr wisst schon, wo.

Dieses Mal wollte ER gar nicht von mir ablassen und ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass ich ihn anbellte, was zugegebener Maßen fast wie ein Quieken klang. Er kniff mich in die Flanke, wenn ich mich hinsetzte oder hinlegte, befand sich über mir und rollte mich über den Boden. Es war lustig. Doch viel zu schnell war die Zeit um und Arco wurde zu seinem Herrchen gepfiffen. Dieses Mal fiel es ihm aber sehr viel schwerer, seinem Herrchen zu gehorchen. Ich wollte ihn dazu bringen, noch ein bisschen länger bei mir zu verbleiben, denn die Hitze in meinem Körper war wirklich kaum mehr auszuhalten. Auch, als er wieder an der Leine neben dem Stuhl seines Herrchens lag und sich die Seele aus dem Leib hechelte, konnte ich nicht von ihm ablassen, stupste ihn an, fiepte und sendete ihm flehende Blicke. Als das alles nichts nutzte, legte ich mich neben ihn, zauste ein wenig seine Ohren und döste eng an ihn geschmiegt ein.


Freitag, 24.08.2007

Schon als ich heute Morgen die Augen aufschlug, wusste ich, dass mein Tag gekommen war und dieser besondere Blick, mit dem mich Arco beschnupperte als wir uns abends wieder sahen, bestärkte mich noch in der Vermutung.

Ich gab alles… schleckte ihn ab, neckte ihn, ließ mich von ihm jagen und schaffte es schließlich, ihn immer weiter aus dem Sichtfeld seiner Familie zu locken. Seite an Seite und im Takt mit den Schwänzen wedelnd schlugen wir uns in die Büsche. Da half kein Pfeifen, kein Rufen, kein Flehen… Arco war taub und ich auch.


Samstag, 25.08.2007

Arco war völlig verstört, weil ich zwar noch einmal ganz ausgelassen mit ihm herum tollte, ihn aber nicht mehr auf mich springen ließ… Sein Herrchen grinste und schwieg, weil er jetzt wohl ganz sicher wusste, dass ihm in ein paar Monaten die Geburtsanzeige von meinen super süßen Münsterländer-Babys ins Haus flattern wird.

Was wohl mein Frauchen dazu sagen wird? Bestenfalls war diese ganze Aktion von ihr gewünscht und geplant…
 
Dagmar H.
4.7.09 10:58


Mitleid

Es war in tiefen Winter. Sogar bei uns im Ruhrgebiet lag ein halber Meter Schnee und das bereits seit einer Woche. Wir Kinder stapften bei grauem Himmel und Kältegraden weit unter dem Gefrierpunkt missmutig zur Schule. ´Schneefrei` gab es schon lange nicht mehr. Wir konnten uns also allein beim Blick durchs Fenster an der glitzernden Landschaft erfreuen.

An jenem Tage sollte etwas passieren, was uns alle sehr berühren würde. Wie immer machte ich mich des Morgens auf den Schulweg. Nach einer Viertelstunde betrat ich den Schulhof. Brr, war das kalt!
„Na ja, gleich kann ich mich drinnen aufwärmen!“, murmelte ich und steuerte gedankenverloren auf die Eingangstüre zu.

Plötzlich hörte ich etwas leise wimmern. Erschrocken sah ich mich um. Da saß ganz hinten neben einem kleinen Gebüsch ein junger Hund. Ich brachte es nicht fertig, einfach weiter zu gehen, sondern lief rasch zu ihm. Es war ein Schäferhundwelpe, vielleicht gerade mal fünf Monate alt. Sein Fell hing in verfilzten Zotteln an ihm herunter. Das Tier zitterte wie Espenlaub.

„Ach, du Armer!“, sprach ich ihn sanft an.
Der Hund guckte mich aus treuen Augen flehend an. Ich nahm ihn einfach in den Arm und versuchte ihn mit meiner Jacke ein wenig zu wärmen. Er hörte auf zu winseln und leckte mir die Hand.

„Ich darf dich nicht mit hinein nehmen!“, schluckte ich.
Bei dem Gedanken, den Winzling da draußen in der Kälte zurück lassen zu müssen, war es mir sehr elend zumute. Weil es nicht anders ging, streichelte ich ihn noch ein letztes Mal und marschierte dann schleppenden Schrittes ins Schulgebäude.

Vom Unterrichtsstoff bekam ich in jener ersten Stunde nichts mit. Viel zu sehr beschäftigte mich das Schicksal dieses einsamen Hundekindes. Mich quälten grausame Üerlegungen:
„Mein Gott! Wurde er herzlos ausgesetzt oder hat er sich verlaufen und findet nicht mehr zurück? Was wird aus ihm, wenn sich niemand um ihn kümmert? Muss er dann verhungern oder gar erfrieren?“
Ich schluckte und schluckte.

Man muss es mir angesehen haben, wie sehr da etwas in mir arbeitete, denn plötzlich fragte mich unser Lehrer:
„Gaby, was ist denn mit dir? Hast du Kummer?“
Ich nickte, konnte die aufsteigenden Tränen nicht mehr zurückhalten und stieß hervor:
„Auf dem Hof sitzt ein kleiner Hund. Er scheint kein Zuhause zu haben und zittert sich dort halbtot.“

Er entgegnete mit ernster Miene:
„Du weißt, dass hier in den Klassen Tiere nicht geduldet werden!“
„Ja, aber... Wir dürfen doch dieses arme Wesen dort ...“

Hilflos und nicht verstehend blickte ich ihn an. E wurde sichtlich verlegen. Da spürte ich, dass mein Lehrer genauso dachte wie ich. Das gab mir Mut ein, einen Mut, wie ich ihn selber von mir nie vermutet hätte.

Ich erhob mich und sah meine Klassenkameraden beschwörend an:
„Den können wir doch nicht seinem Schicksal überlassen. Ich mach` da nicht mit, egal, ob ich ´nen Tadel kriege oder nicht!“
Ich schaute nochmals meinen Lehrer an. Er widersprach nicht mehr und ich glaubte, ein leises Lächeln in seinen Augen zu sehen. Das gab dann den Ausschlag.

Alle waren einer Meinung, dass wir einen Weg finden mussten, dem kleinen Kerl zu helfen.
„In die Klasse darf er zwar nicht, aber bestimmt vorne in die Eingangshalle. Dagegen sagt keiner was.“
Einer von uns kramte im Tornister und holte sein Frühstücksbrot heraus.
„Er braucht das dringender als ich!“

Unser Lehrer guckte sichtlich gerührt und dann geschah es: Er unterstützte uns sogar! Er schickte eine Schülerin in die Schulküche. Sie brachte von dort eine große Schale lauwarmen Wassers mit. Unser Lehrer selber lockte dann den Kleinen mit einem Happen Wurst in die Halle, in der wir alle schon auf ihn warteten. Zur Begrüßung gab es –zig Streicheleinheiten, die er ungemein genoss.
„Ängstlich ist der aber gar nicht! Also hat er bisher keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht!“
Das machte uns sehr froh.

„Strubbel“, wie wir den Findling nannten, ließ sich von hinten bis vorne verwöhnen und verteilte Vollwäschen am laufenden Band. Auch unser Lehrer blieb davon nicht verschont. Er wehrte den Hund nicht etwa ab, sondern schmuste sogar mit ihm.

„Strubbel braucht ein Zuhause!“, erklärte er uns. „Wir müssen ihn ins Tierheim bringen. Dort ist er wenigstens gut versorgt.“
„Ins Tierheim?“, empörte sich die ganze Klasse. „Dann ist er aber doch wieder allein!“
Nein, da waren sich alle einig: So nicht!

Da meldete sich ein Junge:
„Ich weiß, was wir machen. Meine Eltern lieben Tiere. Die haben bestimmt nichts dagegen, wenn Strubbel erst einmal für ein paar Tage bei uns wohnt. Ich ruf` am besten gleich mal zu hause an.“

Strahlend kam er zurück:
„Der darf zu uns! Mein Vater hat gesagt, dass wir dann in den nächsten Tagen rum hören werden, ob irgendwo ein kleiner Hund vermisst wird. – Und, falls nicht“, jubelte er los, „dann darf ich ihn behalten!!“

Vor Freude sprang er wild herum und konnte sich kaum wieder beruhigen. Unsere ganze Klasse geriet außer Rand und Band:
„Strubbel, dann gehörst du zu uns!“

Der Unterricht war vergessen, obwohl ...
Wir hatten etwas sehr Wichtiges gelernt. Wir hatten erfahren, was es bedeutet, die Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen.

Es endete fast wie im Märchen. Strubbel gehörte niemandem. Er wurde nirgendwo vermisst und gewann dann nicht nur eine Familie, sondern mit uns sehr viele Freunde auf einmal dazu.

Gaby Schumacher

4.7.09 10:53


Rowdy und die “Lebensreparatur”

Rowdy ist ein kleiner “Strassenkreuzer”, der im Alter von nur ca. 4 Monaten auf einem Supermarktparkplatz “vergessen“ wurde. Da stand er nun, einsam und verlassen, herum und wusste nicht so Recht, was er denn nun machen sollte. Sollte er hier auf die Rückkehr seiner Menschen warten, oder sollte er sich auf die Suche nach ihnen begeben? Schwierige Entscheidung, vor allem dann, wenn man noch so jung ist und so überhaupt keine Lebenserfahrung hat. Nach einer Weile des Wartens und Überlegens, sah er einen streunenden Hund am Strassenrand, der direkt an jenen Parkplatz angrenzte. Er beschloss kurzerhand den wohl etwas erfahreneren Artgenossen zu befragen. “Vergessen worden?”, fragte dieser leicht ironisch nach, als ihm Rowdy seine Geschichte erzählt hatte, “Da bist du ja ein richtiges Glückskind. Normalerweise wirst du erst geschlagen und getreten, bevor man dich aus dem Auto wirft. Was beschwerst du dich? Wer so ein Dusel hat, der braucht meine Hilfe nicht!”, sprach er und zog weiter seines Weges. Das war jetzt nicht unbedingt die erschöpfende Auskunft, die sich Rowdy gewünscht hatte und so beschloss er einen weiteren Artgenossen zu befragen, den er soben an den Müllcontainern entdeckte. Abermals erzählte er seine Geschichte und fragte den völlig verwahrlosten und abgemagerten Artgenossen um Rat. “Was soll ich dir da sagen?”, meinte er mehr oder weniger ratlos, “wenn ich des Rätsels Lösung wüsste, ging es auch mir besser. Das ist nun mal unser Schicksal. Such im Müll nach fressbarem, lass dich nicht überfahren und vor allem nicht in Tötungsstationen abtransportieren. So sieht unsere Zukunft aus. Finde dich damit ab, dein Leben ist kaputt!”  Das war nun nicht gerade das, was Rowdy hören wollte, aber zumindest war im jetzt klar, dass er weder auf seine Menschen warten noch dass er sie suchen musste. “Mein Leben soll kaputt sein?”, fragte er sich leise, “das wollen wir doch erst noch mal sehen!” Ratlos schlenderte er auf den Parkplatz zurück. “Hey, was ist denn das?”, Rowdy hatte eine Autowerkstatt entdeckt, die sich direkt auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums befand, was in Spanien keine Seltenheit ist.  Neugierig trat er in die Werkstatt ein und beobachtete einen mit öl und Bremsenstaub verschmierten Mechaniker, der gerade ein paar Reifen montierte. “Hallo, ich bin Rowdy, ich hab da mal eine Frage. Du reparierst hier Autos, kannst du auch mein Leben reparieren? Das ist mir nämlich dummerweise kaputt gegangen.” Fragend sah er den Mechaniker an, der ihn aber wohl nicht so recht verstanden hatte. Vorsichtig schnuffelte Rowdy an dessen Hose. “Eins, zwei, drei, vier.....wow, insgesamt neun Hunde kann ich da richen! Der scheint wirklich Leben zu reparieren!” So blieb Rowdy einfach so lange in der Werkstatt, bis der Ölmann die Werkstatt abschloss. Dann sprang er kurzerhand zu ihm ins Auto und liess sich von ihm nach “Hakuna Matata” fahren, auf die Finca, auf der Hundeleben “repariert werden”. Seit diesem Tag lebt Rowdy nun mit den anderen Hunden auf Hakuna Matata und wartet auf ein “Austauschleben” oder anders ausgedrückt, auf ein liebevolles, neues Zuhause, wo mann viel Zeit hat, um diesem verschmusten Kerlchen die Streicheleinheiten geben kann, nach denen er lechzt. Optimal wäre eine Familie mit Auto, denn Rowdy liebt es im Auto durch die Gegend gefahren zu werden.

Martin A. Floessner

 

4.7.09 10:51


Tapsi und das liebe Geld

Hallo, ich bin Tapsi, ein Zwergschnautzer-Labrador-Mix und möchte euch mal eine Geschichte aus meinem Leben erzählen.
Mein Herrchen war arbeitslos geworden und eines Tages hat uns Frauchen dann rausgeschmissen. Nun lebten wir also auf der Strasse. Eines Tages kam ein Mann auf Herrchen zu und sagte er würde ihm fünf  Euro die Stunde bezahlen, wenn er für ihn auf der Baustelle den Dreck wegräumen würde. Herrchen sagte zu und schuftete sich fünf Stunden die Finger wund. Dann gab ihm der Mann zwei lausige Papierfetzen, für die sich Herrchen auch noch bedankte. Den kleinen Papierfetzen habe ich in die Schnauze bekommen und darauf herumgekaut, denn ich hatte Kohldampf, den großen wollte ich Herrchen übrig lassen. „Aus!“ brüllte er mich an. Ich hätte den Fetzen sowieso gleich wieder ausgespuckt, denn er war absolut ungenießbar. Der Gauner hatte Herrchen reingelegt und er wusste es noch gar nicht. Sorgfältig strich er diesen wertlosen Fetzen Papier wieder glatt und ging mit mir zu so einem Haus, in dem ganz viele fressbare Dinge drin sind. Ich musste zwar draußen warten, konnte aber durch die Scheibe alles genau beobachten. Herrchen packte Brot, Wurst und eine Dose Hundefutter in so ein kleines Wägelchen und dann gab er der Frau vor dem Ausgang doch tatsächlich jenen wertlosen Fetzen Papier! Auweia! OK, wir sind damit beschissen worden, aber das ist doch noch kein Grund jetzt andere auch zu bescheissen. Aber gut, wir haben beide riesigen Hunger und da ist das vielleicht zu entschuldigen. Die Frau fiel auf jeden Fall genauso wie Herrchen darauf herein und bedankte sich auch noch für diesen Betrug. Lass uns schnell abhauen, bevor die den Betrug merken, flehte ich Herrchen an, aber er verstand mich nicht. Er setzte sich in aller Ruhe auf den Boden und stellte ein kleines Schälchen vor sich auf. Ich schlang den Inhalt meiner Dose so schnell ich konnte herunter um aufzupassen, wenn einer aus diesem Haus den Betrug merkt und uns angreifen will. Ich beobachtete aber, dass noch viel mehr Leute da rein gingen und die Leute dort so brutal mit wertlosen Papierfetzen und Metallscheiben betrogen und sie merkten es nicht. Keiner kam mal auf die Idee, zu probieren, ob diese Fetzen überhaupt fressbar sind.
Langsam dämmerte es und die Leute schlossen das Haus zu. Ein Mann nahm den Frauen die ganzen Papierfetzen ab und die Frauen verließen das Haus, ohne zu wissen, wie man sie den ganzen Tag über betrogen hat. „Lass uns abhauen, Herrchen! Wenn der Mann sich jetzt aus den ganzen Papierfetzen ein Mahl bereiten will und merkt, wie widerlich diese Fetzen schmecken, sind wir reif für eine Tracht Prügel!“ Doch Herrchen blieb stur sitzen. Dann endlich kam der Mann heraus und, Gott sei Dank, er hatte die Fetzen noch nicht gekostet. Er ging zielstrebig auf so eine Art Auto zu, es hatte aber statt vier Räder nur zwei und drinnen war ein anderer Mann der köstlich riechende Würstchen bereitete. Er ließ sich von Diesem Mann ein Würstchen geben und drückte ihm anschließend ebenfalls einen dieser Fetzen in die Hand. Auch hier wurde der Betrug nicht bemerkt, im Gegenteil, auch hier hat sich der Würstchenmann bedankt und dem anderen sogar noch ein paar Metallplättchen gegeben. Zwei dieser Plättchen warf er in das Schälchen vor meinem Herrchen und sagte: „Sie wissen ja, wo sie die wieder ausgeben können“ und nickte zu seinem Haus rüber.
Ihr Menschen seid wirklich verrückt. Ihr rennt derartig diesem Zeug, das ihr „Geld“ nennt hinterher, dass ihr noch nicht  einmal gemerkt habt, dass man Geld nicht fressen kann!

Martin A. Floessner

 
4.7.09 10:48


Armer Hund

Struppi war ein Pudel-Colli_Mischlingsrüde. Er verbrachte die ersten elf Monate seines Lebens mit sechs weiteren Hunden in einem nur knapp 12 Quadratmeter grossem Zwinger. Durch die dort vorherschende Enge zum einen und wegen des täglichen Kampfes um das spärliche Futter zum Anderen, hatte Struppi, wie auch alle anderen Hunde, zahlreiche Bisswunden. Da diese natürlich nicht versorgt wurden und der Zwinger so gut wie nie gereinigt wurde, entzündeten sie sich und die Hunde waren allesamt agressiv und fiebrig. Eines Tages wurde der Tierschutzverein auf diesen gewissenlosen Hundhalter aufmerksam und die Tiere wurden mit polizeilicher Unterstützung in ein Tierheim gebracht, wo ihr Fieber behandelt und ihre Wunden versorgt wurden. Der Hundehalter bekam eine Geldstrafe von fünfhundert Euro und hat bestimmt schon die nächsten Hunde. Struppi war nicht nur der Jüngste Hund aus dem Rudel sondern auch der Schwächste. So lag Struppi meist in einer Ecke des Tierheimzwingers und bemitleidete sich um sein erbärmliches Leben. So zeigte Struppi auch an jenem Tag, als Melanie Wagner das Tierheim betrat, auf der Suche nach einem vierbeinigen Freund, keinerlei Regung. “Schon wieder so eine, die hier Fleischbeschau hält” dachte sich Struppi, als Melanie vor seinem Zwinger stand und drehte sich demonstrativ zur Seite. “Die sollen doch in den Zoo gehen, wenn sie Tiere begaffen wollen und uns in Ruhe lassen”, dachte Struppi weiter und schnaubte abfällig durch die Nase, während alle anderen Hunde des Tierheims wild bellend an die Gitter rannten und darum bettelteten, das sie doch sie mitnehmen solle. Doch es war ausgferechnet Struppi, der es Melanie angetan hatte. “Was ist denn mit dem los?” fragte sie die Tierpflegerin, “Der sieht so traurig aus.” Die Pflegerin erzählte ihr Struppis Lebensgeschichte und Melanie traten bei der Erzählung die Tränen in die Augen. “Bruchst hier nicht rum zu flennen, schliesslich seid es ihr Menschen, die schuld daran sind, dass es uns so dreckig geht und wir hier in Betonzwingern eingesperrt werden” dachte Struppi abfällig und verkroch sich in seine Hütte. Er war diese täglichen “Mitleidsbesuche” von “Sensationstouristen”, wie er es nannte, einfach leid. “Franz, mein Mann, arbeitet für eine Sicherheitsfirma, die Alarmsysteme für Firmen konzipiert und einbaut”, sagte Melanie, als sie sich wieder etwas gefangen hatte, “er arbeitet 14 Stunden am Tag und mehr und wenn die fertigen Systeme dann eingebaut werden, dann ist er oft Tage lang unterwegs. Aus diesem Grund bin ich sehr viel allein und suche daher einen treuen Vierbeiner, der mit mir zusammen auf Franz wartet. Ich möchte gerne Struppi haben. Ich denke er hat ein liebevolles Zuhause verdient.” Jetzt traten ein paar Tränen der Rührung in die Augen der Tierpflegerin, denn für das Tierheim war dieser zurückhaltende Hund ein absoluter Problemfall, der bestimmt nicht vermittelbar war. Und jetzt kam Melanie und wollte ausgerechnet diesem Hund ein neues Zuhause geben. Die Tierpflegerin schluckte nur kurz und gab Melanie wortlos einen Wink mit der Hand, mit dem sie ihr andeutete ihr ins Büro zu folgen, um die “Adoptionspapiere” fertig zu machen. Als alles unterschrieben und die Schutzgebühr bezahlt war, gingen sie gemeinsam zu Struppis Zwinger, legten ihm ein Halsband und die Leine an und Melanie verliess das Tierheim in der Begleitung von diesem Hund. “Na klasse”, dachte sich Struppi, “150 Hunde hat es in diesem Knast und ausgerechnet mich erwischt es. Beiss ich denn immer nur in die Scheisse? Jetzt geht das ganze Drama also wieder von vorne los.” Unwillig stieg Struppi in Melanies Kombi ein. Die ganze Fahrt über gab er keinen Ton von sich und malte sich schon aus, in was für einem Zwinger und mit wievielen anderen Hunden er wohl jetzt sein Dasein fristen müsse. Am Ziel angekommen musste Melanie ihren Hund förmlich aus dem Auto zerren. Struppi wollte einfach nicht wieder in so einen winzigen Zwinger, doch es half nichts und er gab dem Unvermeidlichem schliesslich nach. “Na prima”, dachte Struppi, als sie das Haus betraten, “noch schlimmer als befürchtet, ein Steinzwinger ohne Auslauf”. Im Flur zog Melanie erst mal ihre Schuhe und den Mantel aus, bevor sie dann ins Wohnzimmer gingen. “Ach so, das ist ein Menschenzwinger! Und wo muss ich dann hin?” Eigentlich wollte er es ja gar nicht wissen. Er würde es noch früh genug erfahren. “Tut mir leid Struppi, Du warst irgendwie so eine Spontanentscheidung und so habe ich gar kein Körbchen für Dich.” “Aha! Spontanentscheidung. Körbchen! Pah! Nette Bezeichnung für einen Maulkorb! Na, da kann ich mich ja noch auf was freuen. Gibt es hier auch soetwas wie einen Fluchtweg?” Melanie konnte Struppis Gedanken nicht lesen und überlegte unterdessen, wo der arme denn nun seinen Platz haben könnte. “Weisst Du was?”, meinte sie schliesslich, “es ist ja nicht deine Schuld, dass ich mich nicht vorbereitet habe. Du darfst dir dein Plätzchen auf der Couch machen.” “Ist jetzt nicht dein Ernst oder? Verscheissern kann ich mich selbst. Das hier ist ein Menschenzwinger und ein Menschenplatz. Wenn ich mich als Hund dem zu sehr annäher dann gibt es Prügel, das kenne ich schon!” Aber Melanie hatte bereits eine Wolldecke über die Couch geworfen und schlug nun mit der flachen Hand auf die Sitzfläche. “Na komm schon! Da darfst du dich drauflegen.” Struppi legte den Kopf schief und betrachtete die Couch. Sah ja wirklich gemütlich aus und gegen ein kleines Nickerchen auf so einem komfortablen Ding wäre wirklich nichts einzuwenden, aber was ist, wenn der Alte heim kommt und das sieht? Dann gibt es bestimmt wieder Dresche, die noch Wochen später schmerzt. Struppis Vorsicht gebot es ihm dann schliesslich, diesem verlockenden Angebot nicht nach zu kommen und sich lieber unter dem Couchtisch zusammen zu rollen. “Wie du willst. Du kannst Dir das ja noch überlegen. Ich sehe mal nach ob ich für dich etwas zu fressen finde”, sagte sie und verschwand in der Küche. “Jaja, fressen!” dachte sich Struppi mit einem leichten, kaum hörbaren Winseln, “jetzt gibt es wieder so eine vergammelte Billigdose, 50% billiger, weil vor einem Jahr abgelaufen. Vorbei ist es mit dem guten Trockenfutter aus dem Tierheim!” In diesem Moment kam Melanie auch schon zurück. Sie hielt ein Plastikschälchen, in dem einmal frische Erdbeeren abgepackt waren, in der Hand. “Hier, das ist für dich. Ist gestern übrig gebieben” “Hm, vergammelte Reste hin oder her, ich hab Kohldampf und da fresse ich alles!” und so stürzte er sich auf das Fressen, bevor von irgendwoher ein anderer Hund kommen und ihn wgbeissen könnte. “Hey, das war mit Abstand die beste Dose in meinem ganzen Leben!” dachte er und Melanie hatte das Gefühl ein Lächeln in Struppis Gesicht sehen zu können, bevor er sich wieder unter dem Couchtisch zusammen rollte. Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, als er plötzlich durch das Zufallen der Haustür geweckt wurde. “Auweia! Der Alte kommt! Jetzt setzt es Hiebe!” Flink rannte er zur Terrassentür und prallte gegen die Glasscheibe. “Mist! Abgeschlossen und kein Fluchtweg weit und breit!”  Melanie hatte ihrem Mann unterdessen von Struppi und seinem Schicksal berichtet und so trat Franz neugierig ins Wohnzimmer ein, um das neue Familienmitglied zu betrachten. Struppi hatte sich in der Zwischenzeit zitternd in die entfernteste Ecke verdückt und erwartete nun seine Tracht Prügel. “Der arme Kerl ist ja ganz verängstigt”, sagte er und ging langsam und in gebückter Haltung, die rechte Hand nach vorne gestreckt, auf Struppi zu. “Der braucht auf jeden Fall erst einmal seinen Platz! Er kann meinen Sessel haben, ich bin ohnedies meistens im Arbeitszimmer.” Bestimmte Franz, doch Melanie schüttelte nur mit dem Kopf. “Ich hab ihm schon eine Decke auf die Couch gelegt und sie ihm wie sauer Bier angeboten, aber er will nicht.”  Struppi verstand die Welt nicht mehr. Träumte er das jetzt alles bloss, oder verstand er die Sprache der Menschen auf einmal falsch, oder waren diese Menschen hier irgendwie falsch gepolt?” “Papelapap!” schaubte Franz abfällig, “Decke! Was für ein Blödsinn. Die stinkt doch nach Weichspüler, der Hund muss uns riechen können! Komm her Struppi, darfst auf meinen Sessel. Da ist auch keine stinkige Decke drauf!” Zaghaft kam Struppi näher. “Ich glaub der meint das ernst”, dachte er. “Der sieht zwar aus wie ein Mensch, riecht auch so, aber der meint das trotzdem ernst!” Er war inzwischen bei Franz’ Füssen angekommen, noch immer in unterwürfig geduckter Haltung. Franz streckte langsam die Hand weiter aus und begann den Hund zu kraulen. “Ist schon verrückt”, dachte sich Struppi, “aber hier sind die Prügel ja richtig angenehm. Ja, so könnte ich den ganzen Tag lang verhauen werden.” Nach einer Weile stand Franz vorsichtig auf. “Ich muss noch ein paar Pläne fertig machen, du kannst dich ruhig auf meinen Sessel legen” Struppi begann zu überlegen. Der Sessel sah wirklich sehr einladend bequem aus und es würde ihm sicher gut darauf gefallen, wenn er aber sich auf diesen Menschenplatz legt, dan bedeutet dies gewiss Prügel. Genau! Ein Grund mehr! Mit einem Satz lag Struppi auf dem Sessel und Melanie guckte nur ganz ungläubig. Was hatte sie sich abgemüht ihn auf die Couch zu bringen, ohne Erfolg und jetzt dies. Struppi legte sich in voller Grösse quer auf den Sessel, die Pfoten nach oben gestreckt. “Los, schlag mich, ich liege auf deinem Sessel, du musst mich wieder verhauen, so wie eben!” Franz schmunzelte und kraulte Struppi den Bauch. “Na also, klappt doch! Hör bloss nicht auf mich zu verhauen. Ich mag das!” Lächelnd drehte er sich um und ging zu seinem Arbeitszimmer. “Ich mag den Kleinen”, sagte er, als er sich noch einmal kurz zu Melanie und dem Hund umdrehte, “hast du gut gemacht! Den und keinen anderen!” Dann verschwand er in seinem Arbeitszimmer.
Das nun folgende halbe Jahr war das Paradies auf Erden für den kleinen Hund. Gassi, gehen, im Wald herumtoben, die guten Dosen jeden Tag und Montags sogar die Reste von den “Menschendosen”, die am Wochenende übrig geblieben waren. Ja und nicht zu vergessen die “Schläge”, die er jeden Abend von Herrchen bekam. Immer wenn er die Tür hörte, dann eilte er schnell auf seinen Sessel, damit er auch ja wieder so angenehm “verhauen” würde. Doch dann eines Tages geschah das unfassbare. Frauchen, die schwer Herzkrank war bekam wieder einmal einen Anfall. Diesmal war der Anfall recht heftig und in Todesangst hangelte sie sich zu dem Medikamentenschrank und tastete nach ihren Herztabletten. Panisch schluckte sie drei von ihren vermeintlichen Herztabletten, aber in der Hast hatte sie die Coffeintabletten von Franz erwischt, die er sich ab und zu einwarf um munter zu bleiben, wenn er mal wieder nächtelang an einem Projekt arbeitete. Als Franz kurze Zeit später nach Hause kam, viel ihm auf, das Struppi nicht, wie üblich, auf dem Sessel lag und auf seine “Prügel” wartete, sondern aufgeregt bellend abwechselnd zu ihm und dann ins Badezimmer lief. Dort fand er dann Melanie regungslos auf dem Boden liegend. Sofort verständigte er den Notarzt und Melanie wurde ins Krankenhaus gebracht.
“Sie liegt im Koma und, ich will ehrlich zu ihnen sein, die Chance, dass sie aus diesem Koma jemals wieder erwachen wird ligt bei Eins zu Hunderttausend”, sagte der Chefarzt, nach unenlich scheinender Wartezeit. Franz sank auf dem Stuhl in dem Warteraum zusammen. Er sass wohl mehere Stunden einfach nur so da und starrte leer in die Luft. Alles wofür er gearbeitet hatte, war jetzt sinnlos geworden. Was soll das jetzt ohne Melanie noch alles für einen Sinn ergeben? “Gehen sie doch nach Hause”, sagte eine Schwester mit warmer Stimme zu ihm, “sie können jetzt doch nichts für ihre Frau tun und zu Hause warten doch sicher ihre Kinder auf sie.” Kinder nicht aber Struppi!, dachte sich Franz und erwachte aus seiner Melancholie. Mein Gott, Struppi! Was mag der arme Kerl wohl jetzt durchmachen? Er nickte der Schwester zustimmend zu und erhob sich. Zu Hause angekommen wurde er schon von ihrem Hund erwartet. Er hatte sich auf Frauchens Decke zusammengerollt und blickte ihn fragend an. “Sieht nicht gut aus, Struppi. Gar nicht gut.”  Kraftlos sank er auf seinen Sessel und beschloss die nächsten Tage nicht zur Arbeit zu gehen. Dafür hatte er jetzt überhaupt keinen Kopf.
Er muss wohl auf dem Sessel schliesslich eingeschlafen sein, denn genau dort wachte er am nächsten Morgen auf, als es an der Tür läutete. Es war die Polizei mit einem Haftbefehl. “Ihnen wird vorgeworfen, die Tabletten ihrer Frau vertauscht zu haben, um die Versicherungssumme aus der Lebensversicherung ihrer Frau zu kassieren. Sie können von Glück sagen, dass es bis jetzt nur versuchter Mord ist, aber wie die Dinge stehen, wird bis zur Verhandlung Mord draus”. So in etwa der Konsens der Polizisten. “Soll das ein schlechter Witz sein?”, fuhr er die Polizisten an, “Für kein Geld der Welt würde ich meiner Frau auch nur ein Haar krümmen, geschweige denn für die paar Piepen umbringen!” “Nunja, eine halbe Million Euro sind ja nun mal nicht unbedingt “ein paar Piepen”, oder?” entgegnete einer der Polizisten. “Gegen das Leben meiner Frau ist das sogar noch viel weniger als ein paar Piepen! Machen sie meine Frau wieder gesund und sie können das Geld mit tausend Freuden haben!” “Wenn ihre Frau wieder gesund werden würde, dann gäbe es auch kein Geld”, sagte der Polizist abfällig und führte ihn ab.
Bis zur Verhandlung sass Franz in Untersuchungshaft und Struppi wieder einmal im Tierheim.
An Melanies Zustand hatte sich bis zum Tag der Verhandlung nichts verändert und so wurde Franz wegen versuchtem Mord zu zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt.
Obwohl Struppi noch teilnamsloser im Tierheim vor sich hinvegetierte, als beim ersten Mal, wurde er bereits nach vier Wochen erneut vermittelt. Er kam zu einem älteren Ehepaar, deren Pudel vor kurzem verstorben war und boten Struppi alles, was sich ein Hund nur wünschen kann. Dennoch, Struppi blieb teilnahmslos, frass nur das nötigste und trauerte “seiner” Familie nach. Sechs Wochen später bot sich Struppi die Chance: Er war mal wieder in dem grossen Garten und lag lustlos unter dem grossen Magnolienbaum, in der Mitte des Gartens, als er bemerkte, dass sich das Gartentürchen im Wind bewegte. “Hoppla, das Ding ist ja offen!” Wie der geölte Blitz schoss er durch das Gartentürchen in die Freiheit. Im gleichen Moment geschah im Krankenhaus das Wunder. Melanie erwachte aus ihrem Koma! Die Ärzte hatten sie schon aufgegeben und diskutierten darüber, ob und wann die Geräte abgeschaltet werden sollten und nun erwacht sie aus heiterem Himmel.
Struppi irrte unterdessen auf der Landstrasse umher. Hatte er doch versucht, sich den Weg damals zu merken, aber so ganz brachte er es dann nicht mehr zusammen, denn diese älteren Leutchen wohnten ziemlich abgelegen und es waren über 200 KM gewesen, aber aufgeben kam nicht in Frage, er musste es schaffen, wieder nach Hause zu kommen. Es war bereits spät am Abend, als er den Spielplatz eines kleinen Ortes erreichte. Seine Pfoten hatte er inzwischen blutig gelaufen und so legte er sich in eine der kleinen Häuschen auf dem Spielplatz hin, um sich auszuruhen. Dort fand ihn dann am nächsten Morgen ein kleines Mädchen. Mit laut quietschendem “Wie süss” und “armes Hundi”zerrte sie ihn an seinem Halsband mit nach Hause. Vor Schmerzen winselnd hinkte Struppi auf seinen wunden Pfoten hinterher. Er hatte nicht die Kraft sich zu wehren. “Guckt mal, was für ein süsses Hundi ich gefunden hab!”, quietschte das Mädchen zu Hause. Der Vater hingegen, der gerade erst von der Nachtschicht heim gekommen war, zeigte weniger Begeisterung über diesen Fund. “Wo hast du den diese Drecktöle gefunden? Bring das Vieh wieder dahin, wo du es hergeholt hast! Soweit kommt das noch, ein Flohsack in der Wohnung!”  “Och, bitte!” quietschte das Mädchen weiter. “Es ist zugegeben ein ungünstiger Moment”, dachte Struppi, “aber ich muss mal!” Zaghaft humpelte er zur Wohnungstür und deutete kratzend an, dass er mal dringend raus müsste. Wütend sprang der Vater auf “Jetzt zerkratzt das Mistvieh auch noch den Schleiflack von der Tür!” Hasserfüllt trat er Struppi in die Seite, der darufhin in das Zimmer zurückflog. Vor Schmerzen jaulend, hatte sich Struppi nicht mehr unter Kontrolle und machte unter sich. “Jetzt reicht es!” brüllte er, schnappte den Hund am Genick und verliess mit ihm die Wohnung. Auf der Strasse angekommen, öffnete er den Laderraum seines Lieferwagens und warf den Hund hinein. Polternd schlitterte Struppi bis ans Ende des Laderaums, wo er dann mit dem Kopf gegen die Wand stiess und bewusstlos wurde. Der Mann fuhr die Landstrasse entlang, bis zu einem entlegenen Parkplatz. Hier stoppte er den Wagen, öffnete den Laderaum und holte den regungslosen Hund heraus. “Hast Glück, dass du vorher verreckt bist.  Jetzt kommst du dahin, wo du hin gehörst”, sagte er, öffnete einen der dort bereitstehenden Müllcontainer und warf den Hund hinein. Hier blieb er nun liegen, bis er am nächsten Tag durch das Dröhnen eines Müllautos aus seiner Bewusstlosigkeit erwachte. Panisch sprang er aus dem immer noch offenstehenden Container und kam jaulend auf dem Boden auf. Trotzdem, dass ihm die Pfoten wehtaten und der Bauch durch den Tritt schmerzte und jeder Atemzug eine Qual war rannte er davon. “Bloss nicht wieder von irgendwem eingefangen werden” dachte er sich und rannte, bis er sich in sicherer Entfernung zu dem Müllauto wähnte. “So geht das nicht weiter”, dachte er, “ich muss mich erst einmal irgendwo ausruhen und meine Wunden lecken. In dem Zustand komme ich nie an!” Gemächlich hinkte er einen Wanderweg entlang, er hatte zwar keine Ahnung, wo er war und wo es lang ging, aber sein Instinkt sagte ihm, das er in der richtigen Richtung unterwegs war. Ab und zu fand er in den aufgestellten Papierkörben ein paar fressbare Reste und dank des Regens vor zwei Tagen fand er auch hier und da noch eine Pfütze gegen den Durst. Abermals dämmerte es und Struppi hatte kaum noch Kraft zum Laufen, als er in der Ferne einen “Schnellimbiss” entdeckte. Es war eine Hühnerfarm mit Freilaufhennen, vielen Freilaufhennen! “Blöder Mist”, fluchte Struppi, “eingezäunt! Aber irgendwie werde ich die Pforte da hinten bestimmt auf kriegen.” Gedacht, getan, Struppi, der die Menschen schon öfters beim Türöffnen beobachtet hatte, erinnerte sich, dass es irgendetwas mit dieser Klinke zu tun haben musste, warum die Türe bei den Menschen aufging, wenn sie daran herumfummelten, bei ihm jedoch nicht, wenn er nur an der Tür krtzte oder einfach dagegen sprang. Nach zahlreichen Versuchen gelang es ihm dann auch tatsächlich, die Tür zu öffnen und er trat in das Gehege ein. “Mädels, ich bin kein Mörder, aber ich habe Kohldampf und eure Eier, die müssen jetzt dran glauben” kläffte er in die aufgeregt gackernde Menge. Nach einem Dutzend Eiern legte er sich dann zufrieden schlafen.
Im Krankenhaus hatte sich Melanies Zustand mehr und mehr stabilisiert und so war sie nun vernehmungsfähig. Sie war ausser sich vor Wut und Entrüstung über das was man ihrem Mann da unterstellt hatte und verlangte seine sofortige Freilassung. “Selbstverständlich wird ihr Mann wieder auf freien Fuss gesetzt” beruhigte sie der Kommissar, “aber wir müssen ihre Aussage natürlich noch notariell beglaubigen lassen, da sie ja bis auf weiteres nicht vor Gericht aussagen können. Das ist natürlich im Moment schlecht, denn es ist Freitag abend und da arbeitet kein Notar mehr. Das machen wir aber gleich am Montag und dann können wir es Dienstag schon dem Richter vorlegen. Da es sich ja hier eindeutig um einen unglücklichen Justizirrtum handelt, wird der Richter entsprechend schnell entscheiden und ihr Mann ist vielleicht schon Ende nächster Woche wieder draussen.” “Das ist gut”, antwortete Melanie kühl, “da haben sie ja über eine Woche Zeit, um sich ihre Aussage zurecht zu legen.” Der Kommissar  sah sie fragend an. “Ihre Aussage bezüglich des Disziplinarverfahrens, das ich ihnen anhängen werde, wenn mein Mann nicht in spätestens zwei Stunden wieder zu Hause ist!” brüllte sie ihn erklärend an. “Und jetzt raus hier, ich denke, dass sie noch etwas wichtiges zu erledigen haben!”
 
Struppi war bereits eingeschlafen und träumte von einem ausgiebigen Eierfrühstück. Als er jedoch am nächsten Morgen wach wurde, war an ein solches Frühstück nicht mehr zu denken. Zum einen deshalb nicht, weil er das Türchen offen gelassen hatte und sämtliche Hennen auf und davon waren, die hätten Eier legen können und zum anderen deshalb nicht weil der Farmer bedrohlich schnell mit einem dicken Knüppel in der Hand auf ihn zu kam. “Man muss wissen, wann man am besten verschwinden sollte und das ist genau JETZT!” dachte sich Struppi und rannte, so schnell ihn seine Pfoten trugen. Der wütende Farmer warf seinen Knüppel hinter Struppi her, der ihn auch noch hinten an der Kuppe traf. Er jaulte kurz auf, aber er rannte weiter. Er wusste, dass es nicht gut für ihn ausgehen würde, wenn er von diesem Hünen gefangen würde. “Ich weiss nicht, was mehr weh tut”, dachte er sich, “die noch immer blutigen Pfoten, der Bauch, der Brummschädel, den ich mir in diesem blöden Lieferwagen geholt habe, oder jetzt mein Hinterteil. Aber es hilft nichts, ich muss weiter und das im Moment recht schnell!”
Zu dieser Zeit öffneten sich die Gefängnistore und Franz wurde frei gelassen. “Das Zwei-Stunden-Ultimatum ihrer Frau war beim besten Willen nicht zu realisieren, ich hab getan, was ich konnte” erklärte ihm der Kommissar. “Schon gut, schon gut, ich hab jetzt erst mal andere Sorgen”, würgte ihn Franz ab, “sie können es wieder gut machen, wenn sie mich jetzt ins Krankenhaus zu meiner Frau fahren und wenns geht ohne ihre “Armbänder”. Dieses Silber steht mir nicht!” Der Kommissar willigte ein, denn abgesehen von seinem schlechten Gewissen, waren da auch noch diverse Verfahrensfehler und eine Dienstaufsichtsbeschwerde würde ihm wahrhaftig mehr als schaden.
Franz war überglücklich, als er im Krankenhaus seine Frau wiedersah, die ihm ein verschlafenes Lächeln schenkte. Wie sehr er doch dieses Lächeln liebte und die ganze Zeit geglaubt hat, er würde dieses Lächeln nie wieder sehen können. “Wie geht es Dir?” hauchte er plump, aber es viel ihm vor lauter Glück nichts anderes ein. “Ein wenig müde”, antwortete sie, “die Ärzte haben mir ein Beruhigungsmittel verabreicht, aber sie haben mir versichert, dass ich wieder ganz die Alte werde. Wie geht es Struppi? Wo war er denn in der Zwischenzeit gewesen?” “Dem geht es gut”, log Franz, um sie nicht zu beunruhigen, “er war bei einer Pflegefamilie und jetzt wartet er auf sein Frauchen”. “Sag ihm liebe Grüsse und dass ich bald schon nach Hause komme”, sagte sie und schlief ein. “Mach ich, ruh dich aus, ich komme dann heute Nachmittag noch einmal”, flüsterte er und schlich sich aus dem Krankenzimmer. Draussen stand immer noch der Kommissar, der wohl ein sehr schlechtes Gewissen haben musste. “Bringen sie mich auf dem schnellsten Weg ins Tierheim”, kommandierte Franz, der dieses schlechte Gewissen für sich zu nutzen wusste und der Kommissar gehorchte, um seine Karriere nicht unnötig zu gefährden.  Im Tierheim anghekommen bekamen sie dann die ernüchternde Antwort, dass der Hund vermittelt sei. Als man ihnen Namen und Adresse der neuen Besitzer verweigerte, schaltete sich der Kommissar ein. “Wie sie wollen, dann kommen wir eben mit einem richterlichen Durchsuchungsbefehl zurück. Bei der Gelegenheit bringe ich auch gleich die Kollegen vom Gesundheitsamt und der Seuchenschutzbehörde mit.” Diese leeren Drohungen zogen meistens und so auch hier und sie bekamen die gewünschten Informationen. “Sie brauchen nichts zu sagen, wir fahren ja schon hin”, quittierte der Kommissar das tiefe Luft holen von Franz und schnitt ihm den zwangsläufig folgenden Satz von vorn herein ab.
Was sie dort jedoch erfahren mussten hatten beide nicht erwartet. Wortlos und resigniert schlurchte Franz zum Auto des Kommissars zurück. “Sie habe getan, was sie konnten, Danke.”, sagte Franz schliesslich, als sie bereits wieder im Auto waren. Der Kommissar versprach ihm, seine Kollegen nach dem Hund Ausschau halten zu lassen und fuhr ihn nach Hause.
Struppi war wieder tief in den Wald hinein gelaufen und fand eine kleine Schutzhütte für Wanderer. Unweit dieser Hütte hatten Forstleute Kraftfutter für Wildtiere ausgelegt. “Idealer Platz um ein paar Tage aus zu ruhen und die Wunden verheilen zu lassen” dachte sich Struppi und genehmigte sich erst einmal eine Portion von dem Wildfutter. “Pfui Spinne! Das Zeug schmeckt ja wirklich wiederlich, aber in der Not, da frisst der Hund ja bekanntlich sogar Gemüse und für ein paar Tage, bis ich mich wieder etwas erholt habe, wird es schon gehn.”
Drei Tage später, Melanie wurde aus dem Krankenhaus entlassen, jedoch mit der Auflage, sich die nächste Zeit noch sehr zu schonen und Struppi setzte seine Reise fort. Seine Pfoten schmerzten zwar nach wie vor, aber wenigstens bluteten sie nicht mehr. Franz dagegen überlegte verzweifelt, wie er es seiner Frau am schonendsten beibringen soll, dass Struppi weg ist. Zuhause angekommen war es dann endlich unwiderruflich Zeit für die bittere Wahrheit, Melanie ging, inm Haus angekommen, zielstrebig auf den Sessel im Wohnzimmer zu und als sie diesen leer vorfand, drehte sie sich fragend zu Franz um. “Ich wusste nicht, wie ich es dir beibringen soll”, stotterte er, “Struppi ist bei der Pflegefamilie, naja eigentlich ist er zu denen vermittelt worden, ausgerissen. Der Kommissar und ich haben alles abgesucht und seine Kollegen halten alle Ausschau nach Struppi, aber eben ohne Erfolg.” Nachdem jetzt endlich die Wahrheit draussen war, sank er weinend wie ein kleines Kind in den Sessel. Melanie setzte sich auf die Lehne und nahm ihren Franz tröstend in den Arm. “Ich weiss, dass du alles menschenmögliche getan hast und ich weiss auch, dass du den Hund genauso liebst wie ich. Wir werden morgen...” “Einen anderen Hund holen?”, unterbrach sie Franz, “nein, das kommt nicht in Frage, für Struppi gibt es keinen Ersatz!” “Das meinte ich ja auch gar nicht, ich meinte, wir werden morgen nochmal die ganze Strecke abfahren, mit unserem Auto, vielleicht erkennt er das Motorengeräusch wieder.” Das leuchtete ein, sie hatte ihn ja im Auto aus dem Tierheim geholt und auch sonst hat er immer schon freudig mit der Rute gewedelt, wenn er das Auto schon von weitem kommen hörte. Warum war er nicht auf die Idee gekommen; hoffentlich ist es jetzt nicht schon zu spät.

Sie sassen noch ein paar Stunden so auf dem Sessel und trösteten sich gegenseitig, als sie plötzlich ein leises Kratzen und ein erbärmliches Fiepen an der Haustür hörten. Wie von der Tarantel gestochen sprang Franz auf und eilte zur Haustür. Als er sie öffnete lag vor ihr ein kleiner, völlig erschöpfter Hund. Seine Pfoten waren abermals blutig gelaufen und er brauchte nur noch ein schwaches Klopfen mit der Rute auf den Boden zustande, als er Franz in der Haustür stehen sah. Es war Struppi, er hatte den Weg doch noch zurückgefunden und als jetzt auch noch Melanie in der Haustür erschien, robbte er mit letzter Kraft noch ein Stückchen näher “Frauchen! Du? Ich dachte du wärst tot! Ich hatte gedacht ich hätte versagt, weil ich dir nicht helfen konnte. Darf ich jetzt wieder bei euch bleiben?” “Struppi!” Franz und Melanie fielen sich in die Arme, dann nahmen sie den Hund auf den Arm und trugen ihn zu seinem Sessel. “Du kommst schon bald wieder auf die Beine. Frauchen macht dir jetzt was leckeres zu fressen und ich bringe dir etwas Milch, die du doch immer so gerne säufst, auch wenn du davon wieoft Durchfall bekommst. Und dann bleiben wir für immer zusammen, als eine glückliche Familie.” “Oh ja”, dachte Struppi glücklich, ”ich will auch nur noch von Euch verhauen werden!” und drehte sich auf den Rücken und liess sich von Franz kraulen bzw. “so angenehm verhauen”, wie Struppi es nannte.

Martin A. Floessner

 

4.7.09 10:46


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